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CDs:
Alfredo Piatti, "Dodici Capricci" - die "Zwölf
Capricen", op. 25
Norbert
Hilger, Violoncello
[1] Allegro quasi Presto
[2] Andante religioso
[3] Moderato
[4] Allegretto - Poco meno - Allegretto come prima
[5] Allegro comodo
[6] Adagio largamente
[7] Maestoso
[8] Moderato ma energico
[9] Allegro
[10] Allegro deciso - Adagio a piacere - Allegro deciso
[11] Adagio - Allegro - Adagio
[12] Allegretto capriccioso
herausgegeben von querstand
Preis: 16,00 EUR
Alfredo
Piatti (1822 - 1901) gehörte zu den bedeutendsten italienischen Violoncellisten
seiner Zeit. Seine Violoncello-Schule fand weite Verbreitung.
Piattis interpretatorische und pädagogische Erfahrungen prägten zugleich
seine Kompositionen, von denen heute allerdings kaum mehr als die "Dodici Capricci"
-
die "Zwölf Capricen", op. 25 - bekannt sind, und auch diese oft nur
oberflächlich.
So werden die Stücke gern einseitig auf spieltechnische Kriterien reduziert
und mit Klischees verknüpft, die virtuoser Literatur in der Regel vorauseilen.
Dazu gehört vor allem der Vorwurf populistischer Anbiederung und mangelnder
geistiger Tiefe.
Jedoch lässt das vielstrapazierte Bild vom Bühnenstar,
der geschäftstüchtig um die Gunst eines sensationsheischenden Publikums
strebt, zumeist unberücksichtigt, daß viele der legendären Genies
die Ausdrucksmöglichkeiten ihres Instrumentes maßgebend vorantrieben
und damit Grundlagen für die Kompositionspraxis schufen. Dies traf in besonderer
Weise für die Entwicklung des Cellospiels im 19. Jahrhundert zu. Im Unterschied
zur Violinkunst, deren etablierter Rang sich in einer Fülle an solistischen
Kompositionen aller denkbaren Gattungen und stilistischen Richtungen äußerte,
fehlte den Cellisten ein vergleichbares Repertoire.
Vor diesem Hintergrund stellen
Piattis Capricen, die 1875 erstmals erschienen sind, ein Schlüsselwerk dar,
welches beispielhaft konzertante Ansprüche und pädagogische Absichten
verbindet. Dabei differenziert und steigert der Komponist nicht nur seinerzeit
gebräuchliche Spielweisen des Cellos, sondern erschließt zugleich
bislang ungenutzte oder vernachlässigte Ausdrucksbereiche. Bewußt
setzt er die Vielfalt an charakteristischen Klangfarben ein, die das Instrument
bietet. So strapaziert er nicht, wie viele andere Komponisten und Autoren von
"Schulwerken",
vorrangig die Sopranlage, sondern schöpft den gesamten verfügbaren
Tonraum aus.
Auch erzeugt er durch spezielle Stricharten ein großes Ausdrucksspektrum.
Besondere Intensität erreicht er wohl in jenen Capricen, in denen er die
reichen Möglichkeiten realer und latenter Mehrstimmigkeit, einschließlich
ihrer Notation, vorführt. Dabei knüpft er einerseits an die Errungenschaften
Bachs an, der selbst ein erfahrener Cellist war und mit seinen Solowerken für
Jahrhunderte Meilensteine schuf, andererseits greift er die stilistische Palette
des späten 19. Jahrhunderts auf.
Interpreten, die Piattis Errungenschaften zuvorderst
in artistischem Sinne deuten, verkennen eine wesentliche
Seite der Stücke: die poetischen Werte. Gerade
dieser Aspekt, der den Zusammenhang von Spieltechnik und Ausdruck in
besonderem Licht erscheinen lässt, stellt für den Leipziger
Cellisten Norbert Hilger eine Herausforderung dar, sich
mit dieser Einspielung den Capricen in
anderer Weise zu nähern als Interpreten, die virtuose Brillanz als Anliegen
der Kompositionen auffassen: Der eigenständige Charakter jedes einzelnen
Stückes rückt in den Vordergrund. Spieltechnische Errungenschaften
dienen als Mittel, nicht aber als Ziel. Absichtsvoll spielt Norbert Hilger
ein Instrument, das dem Stradivari-Cello "Servais" nachempfunden ist.
Zwar ist dieses wegen seiner Größe schwer zu spielen, doch zeichnet
es sich durch ein einzigartiges klangliches Potential aus.
Ein interpretatorisches Konzept, wie es Norbert Hilger verfolgt, dürfte
dem Komponisten selbst vorgeschwebt haben. Dafür liefert die Neuausgabe
der "Dodici Capricci" von Piattis Schüler William Edward Whitehouse
(1859-1935), die dieser Einspielung zugrunde liegt, wertvolle Indizien.
Thomas Schinköth
(Abdruck mit freundlicher Genehmigung von querstand)
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